WAS ICH IHNEN SCHREIBEN WILL ... zu neuen Ideen

Du fragst, wie ich zu diesen Texten komme. Ich kann dir nur eine rudimentäre Antwort geben. Sie kommen und gehen – von woher? Aus Beobachtungen, Wahrnehmungen, aus meinem Innen, wenn mich etwas berührt. Ich weiß, das ist unbestimmt, ungenau, vage, verwaschen, verschwommen, abgehoben. Nein – es berührt mich nicht irgendetwas „von oben“. Gleichwohl, es kommen Saiten in mir in Schwingung. Dann ist ein Begriff da, vielleicht ein Satz, ein Bild, ein Gefühl.

Und dann kommt etwas in mir in Gang. Klingt alles eigenartig. So ist das, wenn man innere, verborgene Prozesse in Worte fassen will. Das ist dann immer ein wenig holprig und gekünstelt.

Jedoch – viele wollen wissen, wie so etwas geschieht, wie ein Buch, ein Beitrag, ein Post, ein Lied, ein Programm zustande kommt.

In Wahrheit weiß ich nicht, woher meine Gedanken und Bilder kommen. Ohne meine bewusste Mitwirkung entstammen sie den tieferen Schichten meiner Seele. Ich nehme auf, was ich kann – nur Bruchstücke eines kompletten Bildes, das ich im Hintergrund vielleicht vermute. Was ich aus meinen Tiefen heraushole, ist immer weniger als erhofft, getrübt durch unzulängliches Ausdrucksvermögen und eingeschränkte Erinnerung. Ist dieser Traum vorbei, so setzt das Vergessen augenblicklich ein.

Wenn es mir doch immer wieder gelänge, länger in diesem Schwebezustand zu bleiben, könnte ich das Gesamte zu fassen bekommen. Ich kann jedoch nicht gleichzeitig schweben und konkret schreiben. Somit setze ich Unvollkommenes in meiner Unvollkommenheit zusammen – immer vom Verdacht begleitet, dass sich in einer mir unerkannten Ecke doch noch etwas Besseres verbergen könnte. Dies bleibt jedem Kreativen als treue Begleitung. Gleichzeitig ist diese scheinbare Lücke die Quelle für Neues, jetzt Unbekanntes.

So bleibt das Leben aufregend.

 

Copyright Text und Bild - Andrea Riemer