WAS ICH IHNEN SCHREIBEN WILL ...Von Abgründen, Hintergründen und Vordergründen

Da stehen sie, stolz und mit dem dicken Bauch voran, schein-wissend dreinblickend, großen Schrittes sich bewegend, blicken herab und ganz wichtig drein, machen die wenigen klein – auch wenn diese ihnen nichts wollen. Dabei verstecken sie ihr eigenes Kleinsein und ihr Opfergefühl. Aggression und Niedermacherei als Lebensprinzip – in unserer begnadeten Mangelgesellschaft, wo scheinbar von allem und jedem zu wenig da ist und dieses scheinbar Wenige auch noch ungerecht verteilt ist. In der Bequemlichkeit des Opferlandes verharrend – so beobachte ich sie immer noch. Es ist so schön zu jammern und neidisch zu sein. … Da muss man nichts tun, kann sich ganz bequem im Gejammer suhlen.

Nun will ich dieses Thema endlich beim Namen nennen. Fleiß, Disziplin, Hingabe und Erfolg ziehen Neid nach sich. Mut und Anderssein lassen den Neid auf den eigenen Fuß folgen. Dessen darf man sich bewusst sein. Wenn man sich weit aus dem Fenster beugt, kann es schon sein, dass einen etwas trifft, was weniger angenehm ist. Dies scheint in unserer Mangelgesellschaft ein Naturgesetz zu sein. Was man nicht hat und doch so gerne hätte, das wird öffentlich schlecht gemacht, heruntergeschrieben und in die Tonne geredet. Vernadern, Heimlichkeiten, Geflüster, Gewisper, Hin- und Herdrehen und Verbiegen von Gedanken, von Worten, von Gesten. All das fasst man unter Neid zusammen.

Manchen ist Neid der Hauptlebensgrundsatz. Die Kunst des Neides, des Kleinmachens seines Gegenübers – das ist schon eine besondere Kunst.

Und ich habe hautnah erlebt, wie der eine und die andere alle Energien in die Kultivierung ihres ganz persönlichen Neids investierten. Der Tagesinhalt war und ist Neid, selbst als das Objekt des Neides längst über alle Berge war. Sie suchten sich binnen kürzester Zeit ein neues Objekt. Manche sind, wie der Volksmund so schön beschreibt, gelb vor Neid … und die Galle geht ihnen über. Und doch tun sie weiter auf ihrem Pfad des Neides.

Ausbildungen, Weiterbildung, persönliche Weiterentwicklung, die eigentliche Aufgabe erfüllen? Iwo – warum denn?! Es ist so schön, ein Opfer zu sein, zu jammern, klein und schlecht zu reden und sich im Neidgefühl zu suhlen.

Mit einer gehörigen Portion Neid katapultiert man jene, die schlicht nur ihr Ding machen, ins Abseits - vorerst. Scheinbar, denn irgendwann, irgendwann stehen die Neider dann selbst im Abseits und vor den Trümmern, die ihr Tun hinterlassen hat. Und was geschieht dann?

Es ist was es ist …

aus: Andrea Riemer. GedankenSplitter, Band1. Berlin, Potsdam 2016

Copyright Text und Bild - Andrea Riemer

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Kommentare: 1
  • #1

    Aleph (Dienstag, 13 September 2016 12:41)

    Wunderbar auf den Punkt gebracht!!
    Immer wenn ich mich dabei ertappe zu neiden, versuche ich mich aus dieser Schwingung heraus zu holen und zu reflektieren. Bewusst werden ist da wirklich wichtig. Was macht das mit mir und was hat das eigentlich mit mir zu tun. Trage ich insgeheim diesen Glaubenssatz in mir, oo wer mehr hat und etwas anders ist, wird automatisch zur Zielscheibe von Neid, also schwimm lieber mit, sonst passiert dir das auch.
    Dankbarkeit was man selbst schon hat und bewundern was der andere gerade auf seinem Weg geschafft hat, schöner ist es sich ein Stück inspirieren zu lassen vom Erfolg anderer Menschen..
    ..um seinen eigenen individuellen Zielen näher zu kommen..