WAS ICH IHNEN SCHREIBEN WILL ... zur Ungewissheit - herzlich willkommen, Ego ...

Wissen wir, was auf uns zukommt, wenn wir in der Früh unsere Beine vor unser Bett stellen? Bewegen wir uns in einer scheinbaren Sicherheit, die es gar nicht geben kann? Treffen wir jenen Menschen, den wir über alles lieben, am neuen Tag wieder? Es ist diese Selbstverständlichkeit, die mich innehalten lässt. Es ist diese Selbstvergessenheit, die mich aufrüttelt – wenn wieder einmal ‚etwas’ geschieht.

Wenn es weniger gut läuft, dann stelle ich mir die Frage nach dem Grund meines scheinbaren Unglückes. Ich hatte alles und war doch gleichzeitig unspezifisch unglücklich. Ich konnte keinen Grund benennen, der für mein Unglücksgefühl verantwortlich war.

Wahrscheinlich platzt mein Ego immer wieder herein. Dabei wird mir deutlich, dass ein dauerndes sich mit etwas Beschäftigten auch ein Ausdruck von Unglück und Unglücklich Sein ist.

Was ich jeden Tag lerne, liegt immer direkt vor mir: die Geduld, das Vertrauen, das Aufstehen, wenn ich hinfalle, der Mut. Ob es gut geht – was immer ‚gut’ ist? Ich weiß es nicht, Gottseidank. Diese scheinbare Ungewissheit hält mich wach und bringt mich vom Sein ins Tun und wieder zurück.

Wo ist da nun Ungewissheit?

 

Aus: Andrea Riemer, GedankenSplitter, Band 1, Potsdam, Berlin 2016

 

Copyright Text und Bild - Andrea Riemer