GEDANKEN KREUZ&QUER ... Zur Macht der Bilder und der Worte

In unserer vernetzten Gesellschaft kommen Bildern eine besondere Bedeutung zu. Sie helfen uns, Erfahrenes zu verfestigen. Oft ist mit dem im Bild Festgehaltenen ein beson-deres Gefühl verbunden. Da wir zu 95 % unbewusst handeln und unser Unterbewusst-sein primär durch Bilder und Gefühle geprägt ist, das wir abrufen, kommt Bildern eine ganz besondere Bedeutung zu, die durch Worte zusätzlich verfestigt werden.

Nun lese ich seit einigen Tage vermehrt, die Bilder der Anschläge von Nizza, von Würzburg und vom Putsch in der Türkei würden viele Menschen verstören, überfordern, abstumpf-en. Gleichzeitig werden vom Tatort Handy-videos und Fotos beinahe live gepostet, sodass die Sicherheitskräfte mehrfach deutlich ersuchen, dies nicht zu tun, weil es Tätern hilft.

Ich will mich ein wenig über das, was in München geschah und noch so frisch ist, gedanklich herausheben, denn es ist ein schmerzhafter Puzzlestein in einem Großbild.

Kombiniert mit den seit Monaten andauernden apokalyptischen Meldungen diverser Medien ist dies ein „Cocktail“, der viele von uns überfordert und schlicht Angst macht. Insbesondere wenn man die Entwicklungen der letzten Jahre bislang zur Seite gedrängt hat und meinte, das könne einen sowieso nicht passieren. Ich beobachte eine immer stärker werdende Abwehrhaltung gegenüber dem, was sich ereignet.

Ich kann diese Ablehnung verstehen, kann dies menschlich nachvollziehen. Wir haben viele Jahre in einer kriegsfreien Zeit gelebt. Warum verstärkt sich das kollektive Abwehrverhalten gegen das, was in Bildern und Schlagzeilen dargestellt wird? Die globale Lage hat mittlerweile ein Niveau an Komplexität erreicht, das für viele Menschen, auch nicht für selbsternannte Experten, erfassbar ist. Zuviel geschieht gleichzeitig. Es gibt keine Planbarkeit, kaum eine Absehbarkeit – wir wissen, dass der Fantasie keine Grenze gesetzt ist. Alles noch so Schreckliche ist möglich.

Nun denn – dies geschieht übrigens schon verstärkt seit 1989. Nur haben es viele nicht wahrneh-men wollen, waren anderweitig beschäftigt. Ich meine das gar nicht böse. Nein – gar nicht. Es gab zu viel Anderes. 

Ich gehöre zu jenen, die nachweislich eine „gute Nase“ für Entwicklungen  hat. Das ist mir mitgegeben. Die Bilder nehme ich natürlich auch wahr. Ich lasse sie jedoch nicht in mein Leben eindringen und mir Angst machen. Ich beobachte die Ereignisse, lasse mich jedoch nicht hinein-ziehen. Mein Wissen zu solchen Situationen, 25 Jahre an Erfahrung, in denen ich mich mit großen Entwicklungen aller Art befasste, Hintergründe, Strategische Planspiele zu konzipieren und durchzuführen etc. zu – all das hilft mir. Dazu gehört auch ein gerüttelt Maß an Disziplin und Wachsamkeit. Es war ein jahrelanger Übungsprozess, der sich nun bezahlt macht. Ich weiß um die Macht der Bilder und der Worte.

Was kann man tun, wenn man nicht so lange geübt hat? Ganz einfach, sich ausklinken. Wenn etwas passiert, so dramatisch es sein mag, nach der Grundinformation aussteigen. Sie können nichts zur Lagelösung beitragen. „Need to know“ – „Was muss man für die eigene Sicherheit wissen“ – das ist der Satz, der helfen kann.

Es geht um den bewussten Umgang mit dem, was auf uns einströmt, ob es überhaupt auf einen einströmen kann und darf und was man damit macht. Das verlangt Bewusstsein und Eigenver-antwortung – und die braucht man nicht nur für die Wahrnehmung von Bildern und Worten ….

 

 

Copyright Text und Bild - Andrea Riemer

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