GEDANKEN KREUZ&QUER … Zum Denken und Sprechen

Ich beobachte, wie viele, die Lage nach dem Anschlag von Nizza, so distanziert sie möglich, mit so viel Mitgefühl wie nötig - im Wissen, dass es die absolute Sicherheit nie gab, nie gibt, nie geben wird. Im Wissen, welches die Hintergründe für die Entwicklungen sind – nach 20 Jahren Sicherheitspolitik, nach 20 Jahren Reden und Schreiben gegen den Wind, nach 20 Jahren an Begegnungen mit einer unglaublichen Beratungsresistenz bei jenen, die die Entscheidungsfäden in der Hand hatten und haben, nach 20 Jahren des Belächelt, Ignoriert und Marginalisiert werden. Damit eines klar ist: mir geht es nicht um Recht haben. Mir geht es auch nicht um mediale Präsenz. Mir geht es ums Sensibilisieren, ums Hinweisen; mir geht es darum, dass breit hingeblickt wird – auf das, was den Nährboden dafür ausmacht, was seit Jahren sich wie eine Riesenwelle aufbaut. Meine Beiträge haben bestenfalls eine Trägerfunktion dafür. Ich habe meine Meinung, die ich teile, die ich anbiete. Selbst wenn man sie nicht teilt, ist dies für mich unproblematisch, weil es nur eine Meinung ist.

Ich schreibe dies in der Deutlichkeit, weil ich mittlerweile eine tiefgehende kollektive Ohnmacht feststelle, eine Angst, ein Zurückzucken, ein Wegducken, ein sich in leeren Worten Ergehen, ein gemeinsames Trauern und dann doch weitermachen wie bisher; Worte werden nach wie vor in einer Art verwendet, die die Lage weitertreiben. Wogegen man kämpft, das stärkt man! Es gab Terrorübungen (!) in Frankreich. Es wird weiterhin aufgerufen, den Terrorismus zu bekämpfen (!). Meine Nackenhaare stellen sich bei diesen Formulierungen immer noch auf!

Gelichzeitig: Die Komfortzone ist für viele noch immer so angenehm (man schüttelt sich im ersten Grauen und geht zur Tagesordnung über, wenn man nicht direkt betroffen ist), anstatt sich und seine Gedanken und Worte zu ändern. Die Betroffenheit steigt mit der räumlichen Nähe – je weiter weg, umso unwichtiger – aber hallo, es geht um Menschenleben – gleich wo! Was für ein Gewöhnungseffekt ist da eingetreten?!

Was ich orte, ist, dass ein Klimaxpunkt kurz bevorsteht – und der wird eine neue Richtung aufzwingen, gleich was das Kollektiv will oder nicht will. Der Point of no return ist längst passiert, egal ob dies erkannt wurde oder nicht, ob dies ignoriert wurde oder nicht. Nein, ich übe mich nicht in Schwarzmalerei. Ich bin keine Cassandra. Ich schreibe weder über die Apokalypse (im übrigen die Offenbarung) noch über den Doomsday. Dies ist wieder vollkommen missverstanden.

Was ich jedoch nachweislich habe, ist ein hohes Gespür für große Entwicklungen. Was nachweislich auch gegeben ist, dass meine Hinweise mehrheitlich in den Wind geschrieben wurden – und sie sind öffentlich zugänglich und einsehbar. Meine Hinweise sind unangenehm für jene, die Änderungen vornehmen könnten. Es geht um Deutungshoheit. Es geht um Macht. Alles völlig verkannt, worum es in der Tiefe unseres Seins geht. Es geht um uns, um unser gedeihliches Zusammenleben, jenseits von Eso- und Spiri-Gedöns. Schlicht – um Menschen und ihren Umgang miteinander.

Ich lasse mich durch die mehrheitliche Ignoranz nicht mehr beeinflussen und bremsen. Selbst wenn nicht gelesen wird, nicht gehört, nicht wahrgenommen wird … die Lage entwickelt sich. Sie fragt auch nicht, ob das angenehm ist und ob sie das darf. Die Wunde wird größer und ist von einer Heilung mehr denn je entfernt. Weiterhin lege ich in den Finger in Wunde. Und diese Wunde liegt im kollektiven Denken begründet, das sich in Worten kristallisiert. Das ist unangenehm. Ich bleibe unbequem – wie seit mindestens 20 Jahren. Lieber marginalisiert als dass ich mit meiner Meinung hinter dem imaginären Berg halte, wenn ich überzeugt bin, dass die Information hinaus muss.

Ohne ein verändertes Denken und eine veränderte Sprache, ohne Bewusstheit, wie die Dinge tatsächlich funktionieren, kann man den Ausnahmezustand gerne weiter verlängern, die Kontrollen und Gesetze weiter verschärfen, die Schuldzuweisungen weiter treiben, die Ängste weiter schüren, noch mehr in links und rechts abdriften, hetzen, polarisieren, Hasspostings schreiben, diskreditieren, niederschreiben, niedermachen und ausradieren … es werden weitere Anschläge geschehen … und die Menschheit bleibt in einer Endloswiederholungsschleife gefangen. Wenn sie das will …? Ich für mich habe mich vor vielen Jahren für einen anderen Zugang entschieden.

 

 

Coypright Text und Bild – Andrea Riemer

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