GEDANKEN KREUZ&QUER ... Zu leeren Versprechungen

Immer wieder erlebe ich in Gesprächen einen – scheinbar – großen Zuspruch zu dem, was ich tue. Ich schreibe deshalb ‚scheinbar‘, da ich mittlerweile festgestellt habe, dass viel sogenannter Zuspruch hohl, leer und oberflächlich ist. Es wird viel gesprochen, geplappert, drauf los geredet, gestikuliert, gewichtig verbrämt, wenig gesagt, kaum zugehört und manches in schickes Dekorum gekleidet. Luftblasen aller Art, in vielen Farben, bunt und gleichzeitig nichtssagend und kürzestlebig.

Noch immer erstaunt mich das, weil ich meine Aufgabe mit großer Begeisterung und Substanz lebe. Es wäre ja noch schöner, habe ich sie mir doch selbst ausgesucht.

Je länger ich schreibe, umso kritischer werde ich und umso genauer höre ich hin, was da so alles versucht wird, an mich heranzutragen. Mit dem Lesen dessen, was immer wieder auf meinem Schreibtisch landet, verhält es sich sehr ähnlich. Ich schreibe ‚versucht‘, weil sich vieles bereits in der Schwelle zum substantiellen Gespräch oder einer Email schon wieder verläuft. Ein ‚rufen Sie mich doch mal an‘ ist ganz leicht und rasch gesagt und geschrieben. Was, wenn ich es tatsächlich tue?! Tauchstation, Verstecken, Verstummen, Schweigen, Leere, Nichts.

Der Pseudo-Enthusiasmus ist verschwunden – wie ein Luftballon, den man ansticht. Committment, auch so ein schickes Wort, also die innere Verpflichtung zu dem zu stehen, das vereinbart wurde und nicht beim kleinsten Gegenwind sich zu ducken oder abzuhauen, dieses innere Verpflichtung ist im Orkus der Schnelllebigkeit verloren gegangen. Es wird drauf los geredet, palavert, geschrieben, abgeschrieben, kommentarlos und ungefragt übernommen, falsch angegeben, versprochene Korrekturen verschwinden im Buchstaben- und Zahlenwald und übrig bleiben, ja – was bleibt übrig – leere Versprechungen.

 

Das und vieles mehr sind gewichtige Gründe für mich, jedes Mal jeden Tag aufs Neue zu überprüfen, wer mit mir am Weg geht und wen ich besser zurücklasse – diese Gruppe der Zurückgelassenen wird immer größer, mein Reisegepäck immer leichter und ich immer klarer. Eine viel versprechende Perspektive.

 

Copyright Text und Bild - Andrea Riemer 

 

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