GEDANKEN KREUZ&QUER ... Zur Dankbarkeit

Wir leben in einer der unsichersten Zeiten seit langem; viele von uns haben – Gottseidank – nie Krieg erfahren. Viele von uns haben viel und noch viel mehr. Und doch orte ich eine generelle Angst, eine hohe Unzufriedenheit, die sich bei näherem Nachfragen als sehr unspezifisch herausstellt. Es jammert sich leicht und es geht noch leichter, die Schuld und Verantwortung auf die auch unspezi-fischen „da oben“ abzuwälzen.

Ich wünsche mir ein Innehalten in unserer gehypten Zeit, in der noch immer höher, schneller, weiter, letzte Chancen, letzte Möglichkeiten und eine für mich unerträgliche Copy-and-Paste-Haltung mit Schablonen- und Schubladenkultur dominieren.

Ich wünsche mir – einfach endlich ein Mal ein kollektives Innehalten. Ich weiß, wenn dies geschieht, bricht die kollektive Panik aus, denn die Stille wird die Abgründe eines jeden Einzelnen deutlich, ja – überdeutlich machen. 

Vielleicht ist vor dem Innehalten eine Grunddankbarkeit etwas, das weiterhilft, zu begreifen, dass es kein Anstückeln, keine dritte Halbzeit, keine Alonge, keine Zusatzrunde mehr gibt. Wiederholungen jeglicher Art sind bestenfalls substanzlose Ehrenrunden. Die Dinge sind schlicht auserzählt. 

Es geht hier nicht um die Apokalypse, die in der tiefen Bedeutung des Wortes übrigens Offenbarung meint, also das, was viele von uns hier und jetzt erleben. Es geht mir ausschließlich um einen Moment des Begreifens, wo wir stehen, jeder für sich. Dann tief durchgeatmet und ein stilles Danke innerlich gesagt. Es geht um nicht mehr, jedoch auch um nicht weniger – in dieser gehypten Unsicherheits- und Umbruchzeit. Vielleicht führt ein wenig mehr Dankbarkeit zu einer inneren Ruhe, um diese Zeit meistern zu können. 

 

Copyright Text und Bild - Andrea Riemer

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