GEDANKEN KREUZ&QUER ... Zum Geschichten erzählen

Menschen sind begnadete Geschichtener-zähler. Gehören Sie auch dazu?

Was ich meine, sind die Dauergeschichten zu:

Ich bin zu alt, ich bin zu jung, ich bin ungeübt, mir fehlen Qualifikationen, ich habe kein Geld dafür, alles ist zu weit weg von mir, das schaffe ich nicht mehr, ich habe Angst, meine Eltern haben …

Ich kann diese Zeilen nahezu unendlich fortführen. Was meine ich damit? Viele fertigen sich ihr Recht (Sie merken schon, ich spiele mal wieder mit dem Wort …), also viele rechtfertigen sich ihre Nichtveränderung, nahezu zu Tode. Ich kann Bücher schreiben über jene Geschichten, die ich immer wieder höre, warum was nicht geht.

Letztens sagte man mir, ich sei auch eine Künstlerin, jedoch nicht nur, denn ich hätte keine künstlerische Ausbildung einer aner-kannten Universität. Ich musste laut lachen, denn ich kann immerhin zwei Doktorate und eine Habilitation, samt Gesangs- und Sprech-technikausbildung vorweisen. Und Schreiben ist seit gut 40 Jahren das, was mein Herz erfüllt und meine Seele zum Schwingen bringt. Es muss ja nicht immer der Maintreamweg sein, den ein Mensch geht, oder?…

Mein Gegenüber hatte innerhalb kurzer Zeit eingesehen, dass sein Argument irgendwie nicht ganz passte. Wo steht geschrieben, dass ich immer wissenschaftlich schreiben muss, wenn ich es gar nicht mehr aus unzähligen Gründen will? Wer kann mir verbieten, künstlerisch aktiv zu werden und dabei meine wissenschaftlichen Fähigkeiten zu nutzen? Oder würden Sie Frau Merkel als promovierter Chemikerin ihre politischen Fähigkeiten ganz grundsätzlich absprechen, weil sie nicht Politikwissenschaften studierte?

Die fehlende Ausbildung ist eine der größten Ausreden. Und die Ausrede, man kann und darf sich nicht verändern, weil man dann in keine vorgefertigte Schachtel passt und die Etiketten dafür ausgegangen sind, ja nicht einmal vorhanden waren, die ist wahrlich weltmeisterlich. Gleiches gilt für den sogenannten Fachwechsel. Es ist ja meistens so, dass man brauchbares Altes mitnimmt. Warum sollte man es auch in die berühmte Tonne treten? Die Trennung von Wissen und Fachrichtungen ist menschengemacht – meistens aus Angst vor Mangel, Machtattitüden und aus Eitelkeit. Also kann man die Trennung auch jederzeit wieder verändern.

Hätte ich das alles für meine Karriere gelten lassen, würde ich – ich weiß gar nicht wo – herumdümpeln. Ich kann mir das gar nicht vorstellen.

Also: Grenzen setzen einzig und alleine die eigenen Gedanken. Hinterfragen Sie diese – das ist der erste Schritt zu Veränderung – und zwar in jene Richtung, in die Ihre Seele und Ihr Herz Sie ziehen. Und die beiden liegen garantiert richtig und sind stimmig. 

 

Copyright Text und Bild - Andrea Riemer

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