GEDANKEN KREUZ&QUER ... Zu Zwischentönen

Lautes Getöse, lärmendes Gebrüll, bestimmtes Auftreten, übertriebene Darstellung, wildes Gestikulieren, verzerrte Mimik, mit Worten draufhauen, mit Bildern kämpfen … in unserer Informations-überflutungsgesellschaft nehmen wir fast ausschließlich Hypes wahr. Wen wundert es, angesichts der Fülle an Möglichkeiten, die uns das Leben und seine Akteure bieten.

Ich mag weder das Schreien noch den Lärm, und schon gar nicht übertrieben Darge-stelltes. Vielleicht liebe ich auch deswegen mein Leben mit viel Stille, mein Leben, wo ich aussuche, wann ich mich mit wem umgebe. Damit kaufe ich natürlich das Alleinsein mit ein. Schreiben und Lärm geht nicht zusam-men. Ich merke das immer, wenn ich auf Reisen bin. Es ist eine Grundunruhe vorhan-den, die es mir zwar ermöglicht, kurze Texte zu schreiben. Wenn es jedoch um längere Arbeiten und Konzepte geht, dann ist es mir praktisch unmöglich, etwas zustande zu bringen.

So beobachte ich ein Phänomen, das in unserer Jeder-ist-mit-jedem-verbundenen-Gesellschaft grassiert. Nur der, der am lautesten schreit und alles und jedes hypt, wird wahrgenommen. Wie abgestumpft sind unsere Sinne geworden – falls wir die fünf, die wir haben, überhaupt noch benennen können? Von jenen, die es darüber hinaus auch noch gibt, gar nicht zu schreiben. Sie werden als Hokuspokus abgetan, denn nur was gesehen und begriffen werden kann, ist existent.

Was für eine sich beschränkende Wahrnehmungsweise! Wie viel geht dabei verloren? So viele Zwischentöne, die atemberaubend schön und auch bereichernd sind, fallen unter das Pult des Lebens und werden von der grassierenden Angst überlagert. Drauf liegen – am Pult des Lebens - bleiben die Hämmer, die Knaller, die Brummer, die Bringer, die Big Bangs, die Hypes, die Angstmacher. Und dann? …

Nun denn – ich liebe die Zwischentöne, die sich spiegeln, die aus jeder Perspektive anders aussehen, die mir immer wieder neue Botschaften schenken, die nuancieren und differenzieren, die mein Leben reichhaltig machen, ohne dass ich groß auf den berühmten Tisch hauen und klotzen anstatt kleckern muss. Gerade deshalb kommt es bei mir immer zu Ergebnissen. Ob ich sie immer mag, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Irgendwann ist das Ende der berühmten Fahnenstange mit „laut und schrill“ erreicht. Irgendwann gibt es keine Steigerungsmöglichkeit mehr. Und dann, dann kommt die Stille, dann kommt die Leere, dann kann das Staunen eintreten – und dann ist die Hightime der Zwischentöne. Herzlich willkommen.

 

 

Copyright Text und Bild – Andrea Riemer

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Kommentare: 3
  • #1

    Audie Benham (Donnerstag, 02 Februar 2017 03:49)


    I don't even know how I ended up here, but I thought this post was great. I don't know who you are but definitely you're going to a famous blogger if you aren't already ;) Cheers!

  • #2

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