GEDANKEN KREUZ&QUER ... Zum Konsumverhalten

Ich beobachte ein für mich ein sehr eigenartig anmutendes Konsumverhalten. Ungefragt wird genommen, unkommen-tiert wird stillschweigend kommentiert; es wird angefragt, vernetzt, dahin-geredet, besser dahingeschrieben, – und dann …

Da kommt in mir eine Reihe an Fragen auf, wie z.B. wie gehe ich mit der breiten Anonymität im Netz um, mit der Schein-ich-kenne-Dich-vom Foto-Haltung, mit dem Na-da-schau-ich-schnell-mal-rein-es kostet-ja-nix. … mit einer beträchtlichen Achtlosigkeit dem Angebotenen gegenüber. Von einem Dankeschön schreibe ich gar nicht – das wäre ja völlig überhalten. Wie gehe ich mit Kommentaren um, die ihrer Substanz entbehren und nur um des Kommentieren willens hingestellt werden? Wie gehe ich mit den mehr und mehr eintrudelnden Mails um, die oft sehr hohl und anbiedernd sind, jetzt, wo es bei mir in jeder Weise bergauf geht? Wie gehe ich mit Einladungen um, die nicht einmal angenommen werden – ohne Kommentar – es sind offenbar zu viele; auch hier schreibe ich nicht – was ist mit einem Danke geschehen?

 

Und mir fallen noch mehr Fragen zu kollektiv grassierenden Achtlosigkeit ein, im Netz, in sozialen Medien und auch im sogenannten realen Leben. Die gedankenlose Ego-Kultur treibt seit einiger Zeit ganz besondere Blüten … Dem gegenüber steht eine oberflächliche Pseudospiritualität einer Fülle von TransformationstouristInnen, die viele von einem Bereich wegtreibt, der heute wichtiger denn ist. Von der Entrüstungsgesellschaft und der Lust, den Tod, den Krieg und das Verwundete zu veröffentlichen und die dramatischten Bilder dazu zu posten, ganz abgesehen. Willkommen in der Voyeurismusgesellschaft - die Liste lässt sich übrigens beliebig fortsetzen und verdeutlicht die allgemeine Beliebigkeit im Sein, denn morgen ist alles schon wieder vergessen und der nächste Hype wird gebraucht. … Auch eine Form von Sucht … übrigens …

 

Ich beobachte ein immer verzerrter werdendes Konsumverhalten, das mich sehr nachdenklich in den heutigen Tag gehen lässt – und vor allem nicht mein Ding ist. Nicht mehr, auch nicht weniger. Manches Mal reicht eben Schokolade zum Frühstück ebenso nicht aus wie nette Fotos vom Wannsee … in diesem Sinne einen nachdenklichen Tag.

 

 

Copyright Text und Bild – Andrea Riemer

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